Rede gegen den Krieg
am internationalen Frauentag 08.03.2003
von
Andreas Buderus
Mitglied der
Mendener Friedensinitiative Nicht in unserem Namen!
Sprecher des AntiRassistischen ArbeitsKreises der Gewerkschaft ver.di
NRW-Süd
Heute
ist der 08. März, der internationale Frauentag. Seit der zweiten
Internationalen Konferenz der Kommunistinnen 1921 in Moskau ist es dieser
Tag: der 08. März.
Der
internationale Frauentag - der internationale Aktionstag für die
Durchsetzung von Frauenrechten weltweit. Es ist genau dieser Tag, weil
am 08. März 1917 nach über drei Jahren des Gemetzels im Ersten
Weltkrieg russische Frauen eine große Demonstration in St. Petersburg
organisierten, die der Beginn der Oktoberrevolution und damit der erste Schritt für das Ende des Krieges wurde.
Das
simple Motto der Frauen in St. Petersburg vor 86 Jahren: "Brot und
Frieden!"
Heute
stehen wir hier, genau 86 Jahre später wieder auf der Straße. Wieder
fordern Menschen Brot und Frieden! Und wieder hat die öffentlich
erhobene Parole Brot und Frieden! eine nahezu revolutionäre
Bedeutung:
Brot und Frieden! heißt unsere Losung,
angesichts einer Welt, die in den 58 Jahren nach dem Ende des Zweiten
Weltkrieges, in diesen 21.110 Tagen, nicht eine Sekunde erlebte, in der
nicht irgendwo auf diesem Planeten die Perversion des Krieges
Menschenleben forderte.
Brot und Frieden! heißt unsere Losung,
angesichts einer Weltsituation, in der das Kinderhilfswerk der Vereinten
Nationen (UNICEF) nicht weiß, wo es dringend benötigte 26 Millionen Euro
für ein Ernährungsnotprogramm für das südliche Afrika herbekommen
soll, ohne dass voraussichtlich im nächsten halben Jahr Millionen von
Kindern verhungern werden;
UNICEF fehlen 26 Millionen Euro für die Rettung von Millionen von leben,
während die Planer des
Pentagon kalkulieren, dass der bevorstehende Angriffskrieg gegen den Irak
mindestens 50 60 Milliarden Dollar ausschließlich für Waffen,
Munition und sonstige direkte Kriegshardware und logistik kosten wird.
50 60 Milliarden Dollar -
also das ZWEITAUSENDFACHE der Summe, die zur Rettung der Leben von
Millionen vom Hungertod bedrohter Kinder benötigt wird aber nicht zur
Verfügung steht
Brot und Frieden! heißt unsere Losung,
angesichts der erschreckenden Wahrheit, dass infolge des Boykotts gegen
den Irak seit 1990 über eine halbe Millionen Kinder entweder verhungert
oder an für uns lächerlichen Krankheiten verreckt sind, weil keine
Medikamente ins Land kommen dürfen.
o
600.000 verreckte Kinder
seit 1990: das sind 164 zerschlagene
Hoffnungen auf Zukunft am Tag,
o
600.000 verreckte Kinder
seit 1990: das sind 1.150 vernichtete Träume vom Frieden in der Woche,
o
600.000 verreckte Kinder
seit 1990: das sind 5.063 hingemordete Leben im Monat.
Brot und Frieden! heißt unsere Losung,
angesichts der offen und zynisch betriebenen Kriegstreiberei der
USA-Regierung der Ölbarone, die sich anschickt, zukünftig aus reiner
imperialer Machtvollkommenheit und militärischer Überlegenheit über das
Schicksal der Menschheit zu entscheiden - über das Schicksal der
Menschheit zu entscheiden
o
befreit aus den Fesseln völkerrechtlicher
Verpflichtungen,
o
entfesselt von Spielregeln
demokratischer Auseinandersetzung und
o
entledigt des völkerrechtlichen
Grundsatzes, dass nie mehr ein einzelner Staat das Recht dazu hat, über
die Frage von Krieg und Frieden alleine zu entscheiden.
Der
Irak-Krieg ist nicht dazu gedacht, die USA oder die internationale
Sicherheit zu verteidigen. Der Irak ist die erste Schlacht in einem
fortdauernden Krieg amerikanischer imperialistischer Aggression. Ich werde
nicht für mein Land kämpfen, um amerikanischen Imperialismus zu
verteidigen.
so
Scott Ritter, hochdekorierter Golfkriegsveteran, Mitglied der
Republikanischen Partei der USA und bis 1997 UN-Waffeninspekteur im Irak.
Gestern
hat der UN-Chefwaffeninspekteur, Blix, vor dem Sicherheitsrat der
Vereinten Nationen bestätigt, dass es im Irak mittlerweile eine:
substanzielle
Abrüstung
gibt
Sein
Kollege, der Chef der internationalen Atomenergiebehörde, El Barradey ergänzt,
dass es:
keinerlei Anzeichen für ein Atomprogramm im Irak
gibt.
Alle
bisher von den USA und Großbrittanien vorgelegten angeblichen
Beweise für die Existenz von Massenvernichtungswaffen seien in der
Realität nicht überprüfbar oder schlichtweg Fälschungen.
Die
einzige Antwort, die der Kriegstreiber im Weißen Haus darauf hat, ist die gebetsmühlenartige Widerholung von Allgemeinplätzen,
ist das systematische Nicht zur Kenntnis nehmen dessen, was Blix, El
Barradey und die UN-Inspekteure festgestellt hatten, nämlich, dass es
mittlerweile eine substantielle Abrüstung des Irak gibt.
Wie
durch Watte und mit dem Impetus, des allein die Wahrheit Besitzenden verkündete
Präsident Bush dann den wahren Kern der so von ihm genannten
amerikanischen Mission im Kampf gegen das Böse:
Mein
Job ist es, Amerika zu schützen,(
)
Wenn
es um unsere Sicherheit geht, sagt Bush, brauchen wir wirklich nicht
die Erlaubnis von irgendjemand.
Auf dioesen Ölbaron im Weißen Hauß und seine HelfershelferInnen trifft
die Erkenntnis der Trägerin des Friedensnobelpreises von 1906, bertha von
Suttner zu, die bereits vor über 100 Jahren, festhielt:
Mit
Schlagworten kann man der leichtgläubigen Masse beliebig Sand in die
Augen streuen.
Lasst
uns nicht leichtgläubig sein!
Lasst
uns die Schlagworte der Kriegstreiber und Kriegsprofiteure als solche
entlarven!
Lasst
uns Sand im Getriebe ihrer bestialischen Tötungsmaschinerie sein!
Wir
fühlen uns heute in diesem Kampf gegen den Krieg mit unseren Freundinnen
und Freunden der US-amerikanischen friedensbewegung fest verbunden, die in
ihrem Versprechen des Widerstandes, dem pledge of resistence erklären:
Wir
als Menschen, die in den Vereinigten Staaten leben, glauben,
dass es unsere Pflicht ist, uns den Ungerechtigkeiten zu widersetzen,
die von unserer Regierung
- in unserem Namen -
begangen wurden.
Nicht
in unserem Namen
wirst Du endlosen Krieg führen,
darf es noch mehr Tode geben,
und weiteres Eintauschen von Blut gegen Öl.
Wirklich:
Wir haben amerikanische FreundInnen. Aber: andere!
Angesichts
der Monströsität der aufgefahrenen Kriegsmaschinerie,
in
Erwägung der nicht einmal erahnbaren Tötungspotentiale, die
offensichtlich nur darauf warten, endlich durch den Knopfdruck eines
einzigen Mannes entfesselt zu werden und mit
dem Zynismus und der Brutalität konfrontiert, mit der momentan alle
Ideale von Humanismus und Demokratie in aller Öffentlichkeit pervertiert
werden,
mag
mache und mancher von Euch sich fragen:
Was kann ich denn für
den Frieden tun?
Ich bin doch machtlos!
Hat denn meine Stimme überhaupt Gewicht?
In
einer Fabel wird erzählt:
"Sag
mir, was wiegt eine Schneeflocke" fragte die Tannenmeise
die Wildtaube. "Nicht mehr als ein Nichts", gab sie zur Antwort.
"Dann muß ich Dir eine wunderbare Geschichte erzählen",
sagte die Meise.
"Ich
saß auf dem Ast einer Fichte, dicht am Stamm, als es zu
schneien anfing; nicht etwa heftig im Sturmgebraus, nein, wie im
Traum, lautlos und ohne Schwere.
Da nichts Besseres zu tun war, zählte ich die Schneeflocken,
die auf die Zweige und auf die Nadeln des Astes fielen und
darauf hängenblieben. Genau
dreimillionensiebenhunderteinundvierzigtausendneun- hundertzweiundfünfzig
waren es. Und als die dreimillionensiebenhundertein -
undvierzigtausendneunhundert - dreiundfünfzigste
Flocke niederfiel, nicht mehr als ein Nichts, brach der Ast ab."
Damit flog die Meise davon.
Die
Taube, seit Noahs Zeiten eine Spezialistin in dieser Frage,
sagte zu sich nach kurzem Nachdenken:
"Vielleicht fehlt nur eines einzelnen Menschen Stimme zum Frieden der
Welt."
Am
15. Februar diesen Jahres demonstrierten nicht nur 3.741.953 Menschen
gegen den drohenden Irakkrieg es waren über 10 Millionen Menschen
weltweit die erklärten: No war! Not in our name! Nicht in unserem
Namen!
Über
10 Millionen!
Isoliert
sind längst die Kriegstreiber!
Lasst
uns ihnen das Handwerk legen!
Brot
und Frieden für die Welt!